Fehler sind der Schlüssel zum Lernen

Fehler sind der Schlüssel zum Lernen. Wie das im Detail aussieht, erklärt Euch Stefan Müller

Fehler sind der Schlüssel zum Lernen! Um neue Fähigkeiten zu erlernen und seine Grenzen immer weiter zu verschieben, ist es unabdingbar, dass man seine Komfortzone verlässt. Dabei stellt sich zunächst einmal die Frage, was ist meine Komfortzone? Nun, das ist relativ einfach zu beantworten: meine Komfortzone ist der Bereich meiner aktuellen Fähigkeiten, die ich bereits beherrsche. In der Praxis bedeutet das in etwa, wenn ich einen Schlag 10x spiele und er mir 8x oder öfter gelingt, dann befinde ich mich in meiner Komfortzone. Daher ist es auch so wichtig, die Komfortzone zu verlassen, denn wenn ich immer nur das mache, was ich bereits kann, wie sollte ich dann etwas neues lernen.
In den Grenzbereich meiner Komfortzone komme ich, wenn mir der Schlag 5-8x gelingt. Hier kann man davon sprechen, die Fähigkeit grob erworben, sie aber noch nicht vollständig abrufbar zu haben.
Außerhalb meiner Komfortzone befinde ich mich, wenn mir der Schlag 5x oder seltener gelingt. Hier kann man davon sprechen, dass die Fähigkeit gerade erworben wird.

Wenn 50% oder weniger der Versuche gelingen, so bedeutet dies Zwangsweise, dass die anderen 50% Fehler haben. Aus diesen Fehlern entsteht das Lernen. Damit das Lernen stattfinden kann, muss ich diesen Schlag (oder was auch immer ich gerade lernen möchte) immer und immer wieder wiederholen. Selbstverständlich entsteht aus dem stumpfen Wiederholen des immer gleichen Fehlers (leider ein sehr typisches Trainingsverhalten) kein Lernen. Für das Lernen (entstehen neuer neuronaler Verbindungen im Gehirn)  wird ein präzises Feedback zum Fehler benötigt und ich muss zusätzlich in einem Selbstreflexionsprozess Handlungsalternativen entwickeln. Je mehr die Handlungsalternativen aus meinem Selbstreflexionsprozess entstehen und je weniger Handlungsvorgaben ich von außen bekommen, desto dauerhafte und effektiver ist das Lernen. Prof. Anders Ericsson, die Koryphäe im Bereich der Expertenforschung, nennt diese Art des Übens „deliberate practice“. Ich habe das Model der „deliberate practice“ hier nur verkürzt und unvollständig dargestellt, weil dies den Rahmen sprengen würde. Wer mehr dazu erfahren möchte, dem sei das Buch „Peak“ von Anders Ericsson und Robert Pool ans Herz gelegt.

Immer wieder erlebe ich in Golfstunden, dass etwas 1x nicht klappt, dann wird verschämt geschaut, ob das Mißlingen irgendjemand gesehen hat und anschließend nach Ausreden gesucht. Vielleicht versucht man es dann noch ein zweites oder drittes mal und wenn es dann immer noch nicht klappt, wird es (innerlich) über Bord geworfen, sprich der Selbstreflexionsprozess findet nicht mehr statt. Spätestens wenn der Trainer beim Üben dann nicht daneben steht, wird es auch äußerlich verworfen. Mit diesem Verhalten wird es natürlich extrem schwer, seine Fähigkeiten zu erweitern.

Daher ist es extrem wichtig, dass Eltern und Trainer unseren Jugendlichen vermitteln, dass Fehler okay sind. Sie gehören zum Lernprozess dazu und stellen die optimale Chance dar, seine Fähigkeiten zu erweitern. Daher sollten wir unsere Jugendlichen ermutigen, schwierige Herausforderungen zu suchen und anzunehmen, mit allen Fehlern und Anstrengungen, die dazu gehören.
Um mit diesem Prozess besser umgehen zu können, ist der richtige „Mindset“ (Glaubenssatz) sehr hilfreich. Ph. D. Carol Dweck hat 2 Begriffe im Bereich des „Mindsets“ geprägt. Zum einen den so genannten „fixed Mindset“, was soviel bedeutet, wie dass man daran glaubt, mit einem gewissen Maß an Talent und Fähigkeiten ausgestattet zu sein und daran wenig bis gar nichts ändern zu können. Zum anderen den „growth Mindset“. Dies bedeutet, dass man daran glaubt, seine Fähigkeiten und Talente stets weiter entwicklen zu können und somit immer weiter zu wachsen. Dieser „growth Mindset“ ist es, der uns in die Lage versetzt, mit Fehlern noch besser umgehen zu können. In meinem nächsten Artikel werde ich noch genauer auf die beiden Mindsets eingehen. An dieser Stelle sei für den „growth Mindset“ nur schon mal auf die richtige Art des Lobens hingewiesen, die unser Partner Pro Karl Villwock bereits in einem Artikel dargestellt hat (hier geht es zum Artikel).
Bis dahin wünsche ich viel Spaß beim Fehler machen und dabei, eure Kinder beim Fehler machen zu unterstützen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: