Ich will einfach nur spielen… Teil 2

Eltern sind die wichtigsten Wegbegleiter im Leben der Kids. Auch im Sport ist das so. Doch was, wenn man die eigene Rolle nicht gut ausübt im Leistungssport. Die Gedankengänge eines einfachen Golftrainers

Die Sache mit der Selbstständigkeit

Liebe Eltern, 

dieser Beitrag ist ausschließlich für euch. Und nur für euch. Bitte nehmt euch fünf bis zehn Minuten Zeit diesen Beitrag zu lesen.

Das einzige Ziel, was ich mit diesem Beitrag verfolgen möchte, ist eine „bessere Welt“ auf dem Golfplatz für eure und meine Kinder. Auch bin ich mir bewusst, dass nicht jeder von euch die „Message“ genauso verstehen und sehen wird. Dennoch hoffe, möglichst viele von euch zu erreichen und wir anfangen, an uns zu arbeiten. 

Aufgrund meiner Tätigkeit als Trainer im Leistungssport begleite ich sehr viele Turniere von ambitionierten und motivierten Mädchen in verschiedensten Altersklassen. An dieser Stelle ist anzumerken, dass unser Golfclub (Hamburg Falkenstein) die Möglichkeit hat, bei den meisten Turnieren einen Trainer für die Betreuung vor Ort bereit zu stellen. Natürlich ist mir bewusst, dass das eher die Ausnahme ist, und nur wenige Golfclubs eine solche Betreuung gewährleisten können oder wollen. 

Die meisten Kinder und Jugendlichen sind vom euren Eltern-Engagement abhängig. Wenn man mal ehrlich ist, ist es ja auch was Schönes, wenn man Zeit mit seinem Kind verbringen kann. Die Kindheit ist meistens so schnell vorbei und wenn man dadurch mehr Zeit mit seinem Kind verbringen kann, umso besser.

Emotionen verbinden ja auch ungemein. Zusammen trauern, wenn es mal nicht so gut gelaufen ist, lässt sich manchmal leichter verarbeiten als alleine.. Nicht umsonst heißt es ja: „Geteiltes Leid ist halbes Leid“! Auch ein Erfolg will zusammen gefeiert werden und jeder möchte Teil nehmen an einem tollen Ereignis wie beispielsweise ein Turniergewinn, eine Handicap-Verbesserung oder einfach nur ein toller Schlag! Aus Erfahrung weiß ich, dass man noch Jahre später über solche Erlebnisse mit den Eltern gerne redet.

Doch die Art und Weise, wie die Kids von euch zum Teil „betreut“ werden macht mir Angst und Bange. Gerade vor ein paar Tagen war ich bei einem großen Jugendturnier in Deutschland unterwegs. Morgens auf der Driving Range war es mein Job, die Kids auf die Runde bestmöglich einzustimmen und nach der Runde sowohl Inhaltlich als auch Emotional „abzuholen“. Also verbringt man gut und gerne mehr als 10 Stunden pro Tag auf der Anlage.

Doch immer häufiger frage ich mich, ob ich wirklich auf einem Golfplatz bin, wo gerade ein Golfturnier statt findet. Manchmal fühle ich mich eher in einem Irrenhaus. Häufig sehe ich Eltern, die zum Teil motivierter als die eigenen Kinder sind. 

Christian Lanfermann / PGA Golfprofessional und Vater von zwei Kindern

Selbstständig kommt von Selbst und ständig

Der Schlägerputzer
  • Ihr putzt euren Kindern die Golfschläger vor der Runde. Und meistens nur, damit das Kind ja etwas mehr Zeit vor der Runde für andere Dinge hat.  Meine Lösung wäre vielmehr, einfach mal früher auf den Golfplatz fahren. 
Der “Regenschirmhalter”
  • Ihr markiert die Bälle für euer Kind. Es sollte eher anderes herum sein. Euer Kind sollte euch ein Bild zum Mutter- oder Vatertag malen. 
  • Ihr kontrolliert ob euer Kind alles im Bag hat. Regenschirm, Regenjacke, genug zu essen etc. Natürlich sollte man das bis zu einem gewissen Alter machen. Manchmal sind die Kids ja auch dankbar. Gerade, wenn eine gewisse Nervosität dabei ist. Aber spätestens in der Altersklasse 16/18 sollte man das doch mal darauf ankommen lassen. Wo bleibt sonst der Lerneffekt?

Der Marathonläufer
  • Ihr rennt über das Fairway, wenn euer Kind einen Ball ins Rough geschlagen hat, nur aus Angst, es könnte ein Doppelbogey spielen. Wie soll denn euer Kind mit einer solchen Situation umgehen, wenn ihr nicht als „Vorcaddy“ dabei seid. Dann muss es auch lernen einen Ball selber zu suchen. Ich habe selber zum Teil schon erlebt, wie Ihr zum „Fairwaysprint“ ansetzt, obwohl der Flight noch nicht komplett abgeschlagen hat. Das stört natürlich auch die anderen zwei Spieler, die eine faire Chance verdienen ihren Ball ins Spiel zu bringen. 
  • Ihr macht zum Teil Videoaufnahmen auf der Range von Golfschwüngen um im Anschluss noch zu coachen!! Ich meine, wenn ich Zahnschmerzen habe, schicke ich doch mein Kind nicht zum Bäcker! Oder, nur weil der Eine oder Andere schon mal eine Trainerstunde bei einem Golfpro hatte, ist man doch nicht gleich selber ein Golfpro. Ich würde mich auch nie wagen meinen Kindern etwas über Versicherungen oder Sonstiges zu erzählen, wo ich nicht wirklich geschult bin. Dafür gibt es nunmal eine Ausbildung über drei Jahre bei der PGA of Germany.
  • Wenn es regnet dann halten einige von Euch sogar beim Training einen Regenschirm über den Kopf. Hallo! Golf ist eine Outdoorsportart. Und wenn ich nicht lerne damit klar zu kommen, dann sollte ich eher Schach (und das meine ich nicht böse! Ich spiele selber gerne Schach) oder Hallen-Halma spielen. 
Der “Wettergott”

Auch wenn dieser Beitrag über Sport und Turniere handelt, so können wir das auch auf das Leben spiegeln. Jeder von Euch hat den Wunsch einmal selbstständige Kinder zu haben, die in dieser Welt bestehen können. Die in „Krisensituationen“ einen kühlen Kopf bewahren und nach einer passenden und positiven Lösung suchen. Auch sollen unsere Kinder in der Zukunft mit Rückschlägen umgehen können, wenn wir mal nicht (mehr) da sind. Aufstehen nach Rückschlägen muss man früh üben und nicht erst mit 40 oder 50 Lebensjahren. 

Anmerkung: 

Als zweifacher Vater weiß ich selber nun wie schwer das ist, seine „innere Mitte“ zu finden, wenn das eigene Kind ein Turnier spielt. Auch ich leide immer mit meinen eigenen und „adoptierten“  Kids  – die Kinder welche ich seit Jahren betreuen darf –  mit. Es gab viele Momente, wo ich gerade auch bei meinen „adoptieren“ Sportkids einfach mal weg gehen musste, um nicht zu nervös zu sein. Kids merken das und beobachten viel. Ein hektisches und nervösen Umfeld während eines Turnieres hilft gar nicht. Auch nicht, wenn es nur gut gemeint ist.

Traut euren Kinder mehr zu und versucht sie nicht vor „Unheil auf dem Golfplatz“ zu bewahren.   Bei meinen Kindern lenke ich mich mit der Fotografie ab. Und lese immer häufiger ein Buch auf der Terrasse.. 

Nur durch hinfallen, lernt man aufstehen….. 

Euer Christian (der es einfach nur gut meint) 

ps. Bitte nehmt diesen Beitrag nicht persönlich. Auch wenn ich manchmal die eine oder andere provokante Art habe, dieses Thema zu behandeln. Die mich kennen wissen, das ich versuche die Golfwelt ein wenig “anders” zu machen.

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