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U 10 Training – Wie sollte ein Bambini Training aussehen ?

Liebe Fairwaykids Leser,
in meinem heutigen Artikel möchte ich euch einen Einblick geben, wie ich Kinder im Alter von
5 bis 10 Jahren unterrichte und sie auf das eigenständige Spiel auf dem Platz und bei Turnieren vorbereite. Wie kann ich Kinder für das Golfen begeistern und was sind die Voraussetzungen, dass ein Kind nicht wieder mit dem Golfen aufhört? Sollten Trainingsgruppen nur nach Alter und Leistung zusammengestellt werden oder spielen soziale Faktoren eine größere Rolle um am Ende Leistung zu erzielen? Wie und wie viel Techniktraining sollte stattfinden?

Liebe Fairwaykids Leser,

in meinem heutigen Artikel möchte ich euch einen Einblick geben, wie ich Kinder im Alter von

5 bis 10 Jahren unterrichte und sie auf das eigenständige Spiel auf dem Platz und bei Turnieren vorbereite. Wie kann ich Kinder für das Golfen begeistern und was sind die Voraussetzungen, dass ein Kind nicht mit dem Golfen aufhört? Sollten Trainingsgruppen nur nach Alter und Leistung zusammengestellt werden oder spielen soziale Faktoren eine größere Rolle um am Ende Leistung zu erzielen? Wie und wie viel Techniktraining sollte stattfinden?

Ich persönlich finde es ganz wichtig ,dass gerade die jüngsten Golfer direkt eine professionelle

Betreuung bekommen und von Anfang an richtig trainiert werden.

Leider werden noch viel zu oft Bambini Gruppen als “Halli Galli“ Spaßtruppen gesehen, wo die Eltern am besten noch im Hintergrund ins Training eingreifen und vieles besser als die Trainer wissen. Das eigentliche Golfen spielt eine untergeordnete Rolle und es werden zu 80 Prozent nur Spiele gemacht und die letzten 20 Prozent werden damit aufgefüllt dass die Kinder ziellos mit viel zu schweren Schlägern auf die Bälle hauen. In der kälteren Jahreszeit wird das Training dann ab Oktober eingestellt und startet wieder im April. Sollten die Kinder dann erstaunlicherweise nicht den Spaß am Golfen verloren haben, werden sie kurz bevor sie ein zweistelliges Alter erreicht haben an den Trackman gestellt, müssen zwei Stunden Techniktraining auf der Matte machen und dürfen vom Damen bzw. Herrenabschlag abschlagen. Und am Ende des Tages wundert man sich wo all die Kinder geblieben sind die Anfangs noch voller Motivation zum Golfen gekommen sind.

Diese Ausführungen spielen selbstverständlich das “ Worst Case Szenario“ wieder aber ich glaube in abgeschwächter Form sind sicherlich Vergleiche möglich.

Basics zum Bambini Training

Das Bambini Training sollte genauso wie das Jugendtraining der älteren Kids von einem PGA Professionell durchgeführt werden der am besten dabei durch einen DGV C-Trainer unterstützt wird. Das Training sollte in Kleingruppen bis maximal 8 Kindern erfolgen, so ist die Möglichkeit gegeben gezielt auf jedes Kind eingehen zu können. Gerade in dem Alter prallen im aussergolferischen Bereich viele neue Eindrücke auf die Kinder ein. Die Kids fangen an in die Schule zu gehen, das behütete Kindergartenleben ist vorbei und sie müssen anfangen selbstständig zu werden. Deshalb braucht auch ein Trainer mal zwischendurch die Zeit um auf ein einzelnes Kind eingehen zu können, wenn es mal plötzlich extrem schlecht gelaunt ist, sich völlig daneben benimmt oder eventuell weint. Hier helfen keine Strafen sondern Zeit und Gespräche, deshalb sollte auch ein Bambini Training immer von zwei Personen durchgeführt werden um die anderen Kids in diesen Phasen beschäftigen zu können. Es ist in dem Alter auch ganz wichtig die Eltern mit ins Boot zu holen, aber auf keinen Fall mit auf die Driving Range oder die anderen Übungsbereiche.

Die Kinder sollen lernen selbstständig zu werden, auch in der Schule dürfen Eltern nicht in der letzten Reihe der Klasse sitzen und wenn das Kind eine Aufgabe nicht sofort richtig löst aufspringen und ihnen die Lösung geben. Genauso wie Eltern den Lehrern in der Schule vertrauen, sollten sie das Vertrauen in die Golflehrer haben, dass ihr Kind in der Trainingszeit gut betreut ist und den Trainern ihre Arbeit machen lassen.

Man muss sich als Pro die Zeit außerhalb des Trainings nehmen und mit den Eltern sprechen. So kann ein Trainer auch erfahren ob alles bei dem Kind in Ordnung ist und kann so das eine oder andere Verhalten eines Kindes besser einordnen und damit umgehen. Hier ist auch Zeitmanagement gefragt, am besten blockiert sich der Trainer die Zeit vor und nach dem Jugendtraining um die Möglichkeit zu haben immer direkt mit den Eltern sprechen zu können. Deshalb sollte der Abholort für die Kids auch immer der gleiche sein und natürlich nicht der Parkplatz.

Pecuniär gesehen wird diese Zeit zwar nicht vergütet, aber wenn man mit Leidenschaft dem Trainerberuf nachgeht sollte das aber auch kein Problem sein.

Wie sollte das Training und die Trainingsgruppe aufgebaut sein und sollte das Training ganzjährig erfolgen ?

Eine Trainingseinheit sollte im Bambini Bereich keinesfalls kürzer als 90 Minuten betragen.

Bei einer Trainingsdauer von 1,5 Stunden, hat man die Möglichkeit das Training sinnvoll und effektiv zu gestalten. Die Kids haben genug Zeit um Aufwärmspiele, Techniktraining und ein dem Training angepasstes Cool down durchzuführen. Andererseits hat man bei der Länge der Trainingszeit auch die Möglichkeit mit den Kindern auf den Platz zu gehen und unter realen Bedingungen das Golfen zu lernen.

Bei der Trainingsgruppe sind auch immer soziale Aspekte zu beachten, wenn Kinder über einen längeren Zeitraum zusammen trainieren entstehen Freundschaften. Auch wenn die Kinder nicht alle gleich alt, gleich weit entwickelt, nicht die gleiche Spielstärke, Jungen und Mädchen zusammen trainieren ist es wichtig die Gruppe nicht plötzlich wenn sich Leistungsunterschiede ergeben zu trennen. Die Kids kommen zum einen zum Training um etwas zu lernen aber der Hauptgrund warum ein Kind zum Training kommt ist, weil es seine Freunde treffen will. In dem Alter kann es vorkommen, dass ein Kind was vorher nicht so gut war plötzlich einen Leistungssprung macht und zu den anderen wieder aufschließt. Zerreißt man eine gut funktionierende, freundschaftlich agierende Gruppe aufgrund von Leistungsunterschieden kann es sehr gut passieren, dass ein Kind aufhören wird zu golfen. Hierbei sollte man auch nicht vergessen, dass oft auch die Eltern untereinander soziale Kontakte gebildet haben und somit auch ihre Motivation, dass Kind immer zum Training zu bringen reduziert werden könnte. Ein guter Trainer ist immer in der Lage die Trainingsaufgaben so zu stellen, dass kein Kind unterfordert bzw. überfordert ist, dass beinhaltet natürlich auch jeweils individuelle Anpassungen der Trainingsaufgaben.

Auch das Bambini Training sollte natürlich ganzjährig erfolgen. Es gibt keinen Grund warum jüngere Kinder nicht im Winter weiter trainieren sollten. Selbstverständlich ist bei kälteren Temperaturen auch mal Kreativität gefordert was aber auch kein Problem darstellen sollte.

Ich kenne keine andere Sportart in der das Training knapp fünf Monate eingestellt wird und man nach der Pause die gleiche Leistung wie zuvor erwartet.

Auch hier spielt der soziale Aspekt wieder eine große Rolle, wenn ein Kind so lange nicht mit seinen Freunden interagiert dann sind es danach aus Kindersicht nicht mehr seine Freunde und man muss wieder alles von Grund auf neu aufbauen.

Golftechnik beim U 10 Training

Was den technischen Bereich des Trainings angeht, sollte in dem Alter bis 7 bzw. 8 Jahren vorwiegend auf die Ansprechposition und das Finish im kurzen sowie im langen Spiel geachtet werden, was sich dazwischen abspielt ist noch völlig irrelevant und bedarf noch keiner Beachtung. Ein Kind mit 5 oder 6 Jahren wird immer automatisch zu einem starken Griff der rechten und linken Hand tendieren und das ist auch richtig.

Die Kids brauchen in dem Alter genau diesen Griff um den für sie schweren Schläger bewegen zu können. Ebenso wird ein Kind in dem Alter immer seinen ganzen Körper einsetzen um eine Dynamik bzw. Beschleunigung erreichen zu können. Hierbei ist es völlig normal, dass ein Kind Aufwärts- und Abwärtsbewegungen sowie seitliche Verschiebungen beim Golfschlag macht.

Nimmt man einem Kind in dem Alter diese Bewegungen und zwingt es zu einem neutralen Griff wird kein Ball mehr fliegen. Die schlechtesten Tipps in dem Alter sind also, immer auf den Ball gucken, stabil um die eigene Achse rotieren und dazu noch immer von innen an den Ball kommen.

Mit solchen Ratschlägen wird die natürliche Entwicklung der Dynamik ausgebremst.

Ab dem Alter von 7 bis 8 Jahren kann der Griff langsam neutralisiert werden und schwächer gemacht werden. Es ist aber weiterhin noch ratsam beim sogenannten Baseballgriff zu bleiben. Die Finger der Kids sind noch zu kurz um einen Interlocking- oder Overlapping-Griff zu machen, sie würden dann aus dem vorher sehr starken Griff beider Hände direkt in einen zu schwachen Griff beider Hände verfallen. Diese Veränderung hätte zur Folge, dass die Kids keinen Druck mehr auf den Ball bekommen würden und anfangen würden die Bälle nur noch zu slicen.

Was den Schwung angeht bekommen die Kinder in dem Alter schon mehr Kraft und werden automatisch anfangen weniger Ausgleichbewegungen in der Schwungphase zu machen.

Auch in dem Alter gilt aber noch die Devise, auf keinen Fall das Kind in der Dynamik auszubremsen und auch die eine oder andere nicht Lehrbuch mäßige Bewegung zuzulassen.

Wichtig ist immer auf das Set Up zu achten, so dass die Basis gegeben ist sich dynamisch bewegen zu können und dass die Kids langsam anfangen das Finish halten zu können.

Es sollte auch auf jeden Fall vermieden werden jeden Fehlschlag zu kommentieren und direkt wieder eine Korrektur zu geben. Kinder merken in dem Alter schon gut was sie evtl . verkehrt gemacht haben und werden es versuchen beim nächsten Schlag zu verbessern. Erst wenn zu viele Fehlschläge hintereinander kommen ist ein Handlungsbedarf gegeben. Wie entscheidend das richtige Material im Bambini Bereich ist könnt ihr in mehreren Artikeln in unserem Fairwaykids Blog nachlesen.

Einblick in das U10 Training der Matz Golfschule im GC Marienfeld

Dieses Jahr wurde der Förderfokus ganz besonders auf den U 10 Bereich gelegt.

Die Kids hatten und haben dieses Jahr die Möglichkeit an drei Tagen in der Woche jeweils 1,5 Stunden zu trainieren, sprich 4,5 Stunden in der Woche. Das Training wird von mir und zusätzlich einem C-Trainer durchgeführt. Zusätzlich gibt es im Jahr drei Trainingscamps die jeweils eine Woche in den Oster, Sommer und Herbstferien gehen. Das Training ist in der Woche so aufgebaut, dass einmal in der Woche das kurze Spiel, einmal das lange Spiel und einmal Training auf dem Platz durchgeführt wird. In den Camps werden gesondert nochmal die Punkte trainiert die nach der Jahresperiodisierung sinnvoll sind. Der Verein nahm diese Jahr am OWL Pokal teil, wobei bei den 9 Loch Turnieren ausschließlich die Kinder unter 10 Jahren eingesetzt wurden. Die besten von ihnen konnten dann in der NRW Jugendliga ihr Können bei den 18 Loch Turnieren zeigen. Die U10 Kids haben des weiteren auch schon bei Turnieren der Erwachsenen im Club teilgenommen und ihnen zum Teil die Preise weggeschnappt. Durch das wöchentliche Platztraining ist es auch kein ungewohnter Anblick für die Mitglieder, dass die Kleinen auf dem Platz unterwegs sind. Die anfänglichen Fragen wie: „ Haben die denn schon Platzreife“, „Ist es denn richtig ,dass die Kinder alleine spielen“ sind Vergangenheit. Die Mitglieder lassen die Kids sogar durchspielen wenn sie merken ,dass die laufenden Meter schneller sind als sie. Die Kids die von ihrer Grundlänge in den Schlägen noch nicht so lang sind spielen von den Talent Tees (Kurzplatz) und die anderen vom Damen oder sogar Herrenabschlag. Aufgrund der Verbesserung der Handicaps der Kinder ist es von der Course Rating Vorgabe teilweise sogar besser von weiter hinten zu spielen. Eine genaue Erläuterung hierzu würde den Rahmen des Artikels sprengen, in Zukunft werde ich hierzu auch noch einen Artikel schreiben.

Das veränderte Jugendtraining im Bambini Bereich hat in diesem Jahr schon erste Früchte getragen.

Die Handicaps der Kids haben sich deutlich verbessert bzw. viele Kids haben schnell die DGV Platzreife geschafft. Erstmalig in der Vereinsgeschichte wurden 5 von unseren U10 Kids zur zentralen Kadersichtung (42 Teilnehmer) des Golf Verband Nordrhein-Westfalen eingeladen. Zwei Jungen und ein Mädchen wurden direkt aufgenommen und ich bin mir sicher ,dass ihnen in Zukunft noch weitere folgen werden.

Abschließend und zusammenfassend kann ich nur nochmal darauf hinweisen, wie wichtig es für die gesamte Jugendarbeit ist schon bei den jüngsten Kids richtig in den Golfsport zu starten. Ein ernst nehmen der Bambinis sorgt dafür, dass es wenige Abbrecher und bessere Golfer hervorgebracht werden können.

Ich hoffe euch hat der Artikel gefallen und ich freue mich über Kommentare oder eventuelle Fragen.

Sportliche Grüße,

Felix Matz

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