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Der Unterschied, der Unterschied ausmacht – oder einfach gesagt: Trainingsqualität

In diesem Beitrag zeigt Stefan Müller Ihnen, wie das Training qualitativ durchgeführt werden und welche Eigenschaft bzw. Fähigkeiten man dafür mitbringen muss, um den Unterschied zu haben, der den Unterschied ausmacht.

Häufig kommt die Frage auf, wie es sein kann, dass Person X besser ist als man selbst, obwohl man selber doch mindestens genau so viel trainiert wie Person X. Das ist eine Frage, die auch die Expertiseforschung lange beschäftigt hat. Prof. Anders Ericsson hat dabei eine sehr interessante Feststellung gemacht, die wir sehr häufig auch auf den Driving Ranges dieser Welt beobachten können: der Unterschied, der den Unterschied ausmacht, ist nicht die allgemeine Zeit, die man mit dem Golfspiel verbringt, sondern die Zeit, die man mit der sogenannten “deliberate practice” (reflektierten Praxis) verbringt. Was das genau ist, erkläre ich im Folgenden, aber in der Kurzform kann man schon mal festhalten, dass es nicht die Trainingszeit ist, die die Guten von den Besten unterscheidet, sondern die Trainingsqualität.

Den Begriff “deliberate practice” haben bestimmt schon einige von Ihnen gehört, aber was genau steckt hinter diesem Begriff? Anders Ericsson hat in seinem Buch “Peak” die folgenden Beschreibungen zu diesem Begriff gemacht:

“Deliberate practice findet außerhalb der eigenen Komfortzone statt und verlangt vom Schüler, ständig Dinge zu versuchen, die außerhalb seiner aktuellen Fähigkeiten liegen…Es ist reflektiert, was bedeutet, es werden die volle Aufmerksamkeit der Person und bewußte Handlungen benötigt. Es ist nicht genug, einfach nur den Anweisungen des Coaches zu folgen…Es involviert Feedback und die Anpassung der Bemühungen als Reaktion auf dieses Feedback. In der frühen Phase des Trainingsprozesses wird ein Großteil des Feedbacks vom Coach kommen, der den Fortschritt überwacht, Probleme aufzeigt und Wege anbietet, diese Probleme anzugehen. Mit Zeit und Erfahrung muss der Schüler lernen, sich selbst zu beobachten, Fehler zu finden und dementsprechende Anpassungen vorzunehmen.” (Anders Ericsson)

Dieser Abschnitt beschreibt sehr gut, wie die reflektierte Praxis aussieht. Aber er zeigt auch auf, was man als Spieler mitbringen muss, um so üben zu können:

  • den Glauben, Fähigkeiten erlernen und ausbilden zu können
  • die Bereitschaft, sich außerhalb der eigenen Komfortzone zu bewegen
  • die Bereitschaft, offen für Neues zu sein
  • den Mut zuhaben, Fehler zu machen
  • die Fähigkeit, im hier und jetzt zu sein
  • sich voll auf die Aufgabe zu konzentrieren
  • die Bereitschaft, für Feedback offen zu sein
  • aufgezeigte Lösungswege anzunehmen bzw. auszuprobieren
  • sich seiner Selbst bewußt sein
  • Selbstreflexion

Wenn wir als Trainer, Jugendwarte oder Erwachsene uns diesen Block an Anforderungen anschauen, dann werden wir zugeben müssen, dass uns das schon schwer fallen wird. Ich glaube jeder von uns hat schon mindestens einmal einen Eimer Bälle geschlagen und war spätestens nach dem 5 Ball nicht mehr bewusst bei der Sache, sondern hat den Eimer einfach nur Gedankenlos weggeschlagen. Oder wir haben ein eigentlich produktives Feedback bekommen, durch das wir uns angegriffen gefühlt haben und erst mal in den Verteidigungsmodus gegen sind, wodurch wir nicht mehr für produktive Lösungsvorschläge offen waren. Daran sollten wir immer denken, wenn wir das von unseren Jugendlichen einfordern. Es ist ein langfristiger Prozess, diese Fähigkeiten / Eigenschaften zu entwickeln. Das absolut Positive ist, dass man all diese Sachen lernen und entwickeln kann. Dabei sollten wir unsere Jugendlichen nach bestem Wissen und Gewissen unterstützen. Im Laufe meiner nächsten Artikel werden ich immer auf einzelne Bereiche eingehen und wie man sie aus meiner Sicht am besten bei Jugendlichen entwickeln kann.

 

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