Die Macht von klaren Intentionen und höheren Emotionen auf unser Golfspiel

Der Placebo-Golfer

Wahrscheinlich haben wir alle schon einmal von dem Placebo-Effekt gehört. Ein Placebo ist ein Medikament ohne einen Wirkstoff, welches trotzdem eine Heilung bzw. Verbesserung des Zustands hervorrufen kann. Aber was hat das mit Golf zu tun? Auf dem Golfplatz beobachte ich unter anderem folgende zwei Placebos:

Testen wir einen neuen Schläger, sind wir meist begeistert von den super Resultaten. Ein neuer Schläger bewirkt, dass wir unsere Aufmerksamkeit mehr auf den Schläger richten als sonst. Wir sind also sehr wahrscheinlich präsenter bzw. gegenwärtiger als sonst. Der neue Schläger sorgt nicht für die besseren Reusltate, sondern wir selbst (bitte nicht falsch verstehen! Ich halte Schlägerfitting für sehr sehr wichtig und Schläger werden von Jahr zu Jahr immer besser). Unser Glaube an ein besseres Ergebnis in Kombination mit Freude, die wir beim Testen fühlen, sorgen für die besseren Ergebnisse. Brauchen wir dafür einen neuen Schläger?

Dasselbe gilt für Schwunggedanken. Ein neuer Schwunggedanke erhöht unsere Aufmerksamkeit auf unseren Schläger oder Körper. Wir sind gegenwärtiger als vorher. Wir fangen an, die Sprache unseres Körpers zu sprechen – nämlich Gefühle. Die neue Gegenwärtigkeit und Aufmerksamkeit sorgen in Kombination mit einer sinnvollen technischen Intervention dafür, dass wir bessere Resultate erzeugen. Unser Glaube an ein besseres Reusltat mit der dabei empfundenen Emotion spielt dabei eine immens wichtige Rolle. Wir erzeugen quasi ein neues Potenzial, bevor es eintritt. Nach der Zeit nutzt sich der Schwunggedanke ab. Er wird zu einem reinen Gedanken (= die Sprache des Verstandes) und das Gefühl (= die Sprache des Körpers) ist weg. Wir benötigen dann schnell einen neuen Gedanken, damit wir wieder funktionieren. Das ist der normale Kreislauf, den ich immer und immer wieder beobachte. Manchmal überlebt ein Schwunggedanke nicht einmal eine Bahn. Brauchen wir einen neuen Schwunggedanken, um bessere Reusltate zu erzielen?

Laut Dr. Joe Dispenza (Autor von „Du bist das Placebo“) sind Placebos Symbole für Möglichkeiten, die in der Zukunft existieren. Wir sind von Hoffnung erfüllt und bedanken uns, dass es funktionieren wird. Wir sind voller Freude und voller Enthusiasmus. Wir kombinieren eine klare Intention (z.B. bessere Golfschläge machen) mit einer höheren Emotion (z.B. Freude, Dankbarkeit, Präsenz, Inspiration). Dies ist auch ohne die Placebos möglich. Wir brauchen dafür also keine neuen Schläger oder Schwunggedanken. Klare Intention und erhöhte Emotion reichen aus.

Ich möchte an dieser Stelle nochmal klarstellen, dass ich technisches Training und Schlägerfitting für sehr sinnvoll und unerlässlich erachte. Trotzdem glaube ich, dass wir unser volles Potenzial erst erreichen, wenn wir unsere golferische Zukunft aktiv kreieren. Das bedeutet, dass wir üben müssen das gewünschte Ergebnis bzw Ereignis (z.B. eine neu angeeignete Fertigkeit, eine neue Bewegung oder einen perfekten Schlag) geistig vorwegzunehmen.

Beispiel: Der geistige Probeschlag (Visualisierung)

Es wird immer wieder davon gesprochen, wie wichtig und sinnvoll Visulisierung vor einem Schlag ist. Aber die wenigsten Golfer machen es. Wir fühlen uns von dem guten Ergebnis der Visualisierung unter Druck gesetzt. Wir spüren also begrenzte Emotionen wie Zweifel, Angst oder Unsicherheit. Wenn wir unsere Gefühle genauer beobachten, fällt uns auf, dass wir sehr häufig begrenzte Emotionen vor, während und nach einem Golfschlag verspüren. Während der Visualisierung sollten wir deshalb höhere Emotionen wie Freude, Vertrauen oder Ermächtigung erzeugen, sodass die begrenzten Emotionen keine Chance mehr haben, die Schlagausführung zu manipulieren. Dies erfordert zunächst einiges an Übung. Wir können uns zum Beispiel vorstellen, wie wir den Ball mit der gewünschten Flughöhe durch eine kleine Lücke zwischen den Ästen hindurchschlagen. Wöhrend dieser Visualisierung erzeugen wir eine höhere Emotion wie Begeisterung oder Freude. Wir verbinden also eine klare Intention (Visualiserung) mit einer erhöhten Emotion.

Paradoxerweise müssen wir dabei zugleich realistisch bleiben als auch das Unmögliche möglich machen wollen. Übersteigt der visualisierte Schlag bei Weitem unsere Fähigkeit, kann die erhöhte Emotion noch so stark sein. Wir werden uns eingestehen, dass es zu unrealistisch erscheint. Trauen wir uns aber nicht, das Unmögliche möglich zu machen, werden wir wahrscheinlich auf demselben Level verharren und im Bekannten ‚hängen bleiben‘ – so gesehen in der Vergangenheit. Aufgrund der Vergangenheit werden wir unsere Zukunft gestalten und es wird uns nur selten ein außergewöhnlicher und scheinbar unmöglicher Schlag gelingen.

Höhere Emotionen ohne Grund??

Manchmal fällt uns das Visualisieren sehr schwer. Manchen Menschen fällt es auch generell eher schwer. Wenn einen Visualisierung nicht möglich scheint, sollten wir dennoch eine höhere Emotion vor dem Schlag erzeugen. Den Einfluss von höheren Emotionen auf unser Golfspiel haben wir alle schon einmal erlebt. Warum warten bis es einen Grund gibt, sich zu freuen oder sich frei über dem Ball zu fühlen? Lasst es uns mal andersherum probieren!

Du wirst überrascht sein, was auf einmal möglich wird.

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