Die Art und Weise, wie wir Wettkämpfe wahrnehmen hat einen enormen Einfluss auf unsere Leistung. Aber auch auf noch viel mehr. Für mich gibt es zwei sehr unterschiedliche Filter, durch die wir die Realität bezüglich Wettkampf sehen können.

Im Wettkampf stehen vs. für das Resultat spielen

Es ist ein großer Unterschied, ob wir für den Wettbewerb selber spielen oder für ein mögliches Resultat. Stehen wir wirklich im Wettbewerb oder sind wir gedanklich schon bei der Siegerehrung? Die Unterschiede sind enorm und wir alle haben sehr wahrscheinlich schon mit beiden Filtern Golf gespielt. Jeder weiß, wie es sich anfühlt, einem Ergebnis hinterherzulaufen. Im Kontrast dazu haben wir bestimmt alle schon einmal erlebt, wie es ist, sich im Spiel zu verlieren. Dann spielen wir rein für das Erlebnis des Wettkampfs selber.

Spielen für das Resultat des Wettbewerbs

Spielen für das Erlebnis Wettbewerb

Es geht nur um Performance und Ergebnisse. Wir müssen gewinnenNeben der Performance geht es auch um Freude am Spiel und um persönliche Weiterentwicklung
Unser Selbstbild und unser Status hängen vom Resultat des Wettkampfs abWir sehen im Wettkampf eine Möglichkeit als Mensch zu wachsen und an unserer Persönlichkeit zu arbeiten (z.B. Mut, Akzeptanz, Selbstvertrauen)
Wir können das Ergebnis nicht so beeinflussen, wie wir eigentlich wollen. Wie der Ball im Bunker liegt oder ob unser Ball bei einem Putt verspringt, liegt nicht in unserer Hand.Freude am Spiel und die Absicht, sich als Mensch weiterzuentwickeln, können wir beeinflussen
Wir fühlen unangenehmen Stress und haben Angst vor Konsequenzen bzw. Fehlern (z.B. Ballverlust, verschobener Putt)Durch Fehler haben wir die Chance uns als Mensch weiterzuentwickeln. Wir üben Akzeptanz
Wir erreichen nicht unser volles Potenzial und unsere Performance leidet unter unserer Angst vor FehlernWir spielen näher an unserem vollen Potenzial
Wir sind mit vergangen Schlägen und zukünftigen Folgen beschäftigt. Wir kreieren die Zukunft auf Basis der VergangenheitWir sind im Jetzt. Wir kreieren die Zukunft, die wir wollen
Wir wollen kontrollieren. Dadurch entstehen Anspannungen im Körper, die ungünstig sind. Wir suchen nach Ausreden im AußenWir geben Kontrolle ab und sind frei
Effekte und Gewinne sind kurzfristiger NaturEffekte und Gewinne sind langanhaltend und nachhaltig
Suche nach leichtem Weg. Wir wollen gut aussehen. => Stillstand / KriseSuche nach Herausforderungen. Je schwieriger, desto besser können wir uns persönlich weiterentwickeln
Wir hoffen auf Versagen des Gegners. Wenig Achtung gegenüber dem Gegnern. Gegner sind Feinde. Wir hoffen auf bestmögliche Performance des Gegners. Erst dann bekommen wir die Chance, über uns hinaus zu wachsen. Gegner wird geachtet. Sie sind Mitstreiter!
„Wettkrampf“„Wettspiel“

Nehmen wir uns nun vor, mit dem rechten Filter einen Wettbewerb zu bestreiten, fallen wir oft zurück in unsere alten Verhaltensweisen. Obwohl wir das Konzept auf bewusster Ebene verstehen, sorgt die Anspannung eines Wettbewerbs schnell dafür, dass wir in unser altes unterbewusstes Muster verfallen. Und schon sind wir wieder mit dem Endresultat beschäftigt, obwohl wir wissen und wahrscheinlich sogar schon erfahren haben, dass wir mit dem rechten Filter besser performen.

Unsere heutige Performance ist abhängig von unserer gestrigen Lernleistung und unserer Fähigkeit im Jetzt mit Leichtigkeit zu spielen. Außerdem ist sie abhängig von unserem Filter für Wettbewerb. Verändern wir den Filter, spielen wir besser, haben mehr Freude und haben in Wettkampfgolf etwas gefunden, womit wir uns als Mensch weiterentwickeln können. 

Welchen Filter wollen wir Kindern zeigen und vorleben? Wettkrampf oder Wettspiel? Wollen wir nicht alle, dass Kinder zu verantwortungsvollen Persönlichkeiten heranwachsen?

Wettkampfsfilter = Lebensfilter?!

Ich bin der festen Überzeugung, dass die Art und Weise, wie wir Wettkampf sehen, einen riesigen Einfluss auf unsere Sicht auf die Welt bzw. das Leben hat. Unsere heutige Welt ist stark geprägt von Charles Darwins Evoloutionstheorie. „Survival of the fittest.“ Kannst Du auch die Ähnlichkeit zum linken Wettkampffilter sehen? Wir haben uns vom olympischen Gedanken oder dem „Spirit of the Game“ im Golf entfernt.

Wir definieren uns über Ergebnisse, haben Angst vor dem Unbekannten und unser Handeln ist nicht auf Nachhaltigkeit ausgerichtet. Es geht um den schnellen Erfolg ohne jegliche Rücksicht. Dadurch haben wir eine egoistische Welt geschaffen. Wir zerstören die Natur schneller als sie sich erholen kann. Macht, Gier und Angst sind die Hauptantriebskräfte in unserer Welt. Wir sehen nur selten, dass wir alle miteinander verbunden sind – auch mit der Natur. Wir stehen vor vielen Problemen und spüren diesen Stress deutlich. Angst und Stress begleiten uns in unserem Leben. Respekt und echte Freundlichkeit scheinen von Mistrauen, Gier, List und Konkurrenz unterdrückt zu werden.

Wir wollen Fortschritt und Erfolg. Gucken wir noch einmal auf den linken Wettkampfilter von oben, erkennen wir, dass das kein echter Erfolg und auch kein echter Fortschritt ist. Stellen wir uns nun vor, was passiert, wenn wir den rechten Filter für Wettbewerb auf unser Leben übertragen… Echte Freundlichkeit, gemeinsame Weiterentwicklung und vieles mehr können endlich wieder in den Vordergrund geraten.

Für mich hat die Art und Weise wie Kinder im Sport aufwachsen, einen enormen Einfluss auf unsere Welt und Gesellschaft. Wir haben die Wahl: Wollen wir Wettkrampf?

2 Kommentare

  1. Hallo Moritz!

    Interessant, wie du einen Zusammenhang zwischen Wettkampf-Verhalten und Wahrnehmung des eigenen Lebens herstellst. Der Gedanke kam mir auch schon, als ich meine Kinder beim Golfen beobachtet habe. Je nachdem wie das Kind an die Situation herangeht, wird das Ergebnis des Wettkampfes stark beeinflusst. Ich erkenne hin und wieder Charakterzüge, die mich oder meinen Mann beim Sport ausmachen. Trotzdem ist es mir sehr wichtig, meinen Kindern ein gesundes Verhältnis zum Wettkampfsport beizubringen. Ansonsten entwickeln sie sich persönlich nicht weiter; denken nur an den Gewinn. Im schlimmsten Fall entsteht daraus unfaires Verhalten den anderen Kindern gegenüber. Das wäre sehr schade.

    Meine Kids haben erst zwei Wettkämpfe mitgemacht. Fand aber alles im kleinen Rahmen statt. Für die kleinen Turniere tun wir Eltern uns alle zusammen und stellen dann die Medaillen (solche zum Beispiel: http://pokale-meier.de/ ). Es ist schön, wenn die Kinder erste Erfolgserlebnisse erfahren. Wichtig ist auch, dass die Trainer keine falschen Werte und Motivation vermitteln. Deshalb habe ich mir im Vorhinein auch verschiedene Vereine angeschaut.

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