Im zweiten Teil des Artikels „Alles eine Frage des Filters“ geht es um Divots und nichgeharkte Bunker. Jeder weiß wie ärgerlich es ist, nach einem super Abschlag in einem Divot zu liegen oder seinen Ball in einem schlechtgeharkten Bunker wieder zu finden. Diese beiden Balllagen sind sehr unglücklich und fordern viel von uns. Für mich gibt es vier wertvolle Lektionen, die wir aus diesen bescheidenen Balllagen lernen können.

Hier findest Du Teil 1 von „Alles eine Frage des Filters“

1. Lektion: Akzeptanz

Filter 1: Klasse! Ich treffe das Fairway und der Ball liegt schlechter als im Rough. Mein Schlag landet im Bunker. Das ist doch eigentlich schon Strafe genug und dann liegt er ausgerechnet noch in einer Fußspur. Das Schlimmste ist eigentlich, dass ich nicht einmal schuld an meiner schlechten Lage habe. Immer diese Kinder, die die Bunker nicht harken und diese Anfänger, die ihre tiefen Divots nicht zurücklegen! Ich lege meine Divots immer zurück – wofür eigentlich?!. Es ist wie auf meiner Arbeit – ich muss immer die Fehler anderer ausbügeln. Es ist wie in meinem ganzen Leben – ich habe immer Pech und ich werde immer bestraft… Ich bin schon wieder das Opfer!

Filter 2: Ich muss meine aktuelle Lage akzeptieren, wie sie ist. Beklagen bringt mich meinem Ziel kein Stück näher. Ich akzeptiere die Unvollkommenheit der anderen Golfer. Kinder und Anfänger müssen es noch lernen. Ich kann nicht erwarten, dass sie direkt perfekt sind. Ich weiß noch, wie schwierig es am Anfang war, alles korrekt zu machen. Ich übe gerade Toleranz und Akzeptanz. Jetzt mache ich das Beste aus meiner Lage!

Damit kommen wir schon zur nächsten Lektion…

2. Lektion: Anpassung

Adaption und Flexibilität sind Schlüsselkompetenzen für gutes Golf. Liegen wir in einem Divot oder haben eine ungünstige Lage im Bunker, haben wir keine andere Chance als uns an die Lage anzupassen. Mit unserer Standardtechnik kommen wir wahrscheinlich nicht weit. Jetzt geht es darum, den Eintreffwinkel des Schlägers an den Ball anzupassen. Im Bunker gilt es wahrscheinlich noch, den Bounce des Wedges anders zu nutzen als sonst. Golf lehrt uns Einschränkungen als Chancen zu sehen. Als Chance etwas dazu zu lernen (z.B. den Eintreffwinkel variieren zu können) oder als Mensch zu wachsen (z.B. in Akzeptanz üben). Wir können lernen, unserem Einfallsreichtum zu vertrauen oder uns anzupassen, wenn sich etwas verändert oder etwas Unvorhersehbares passiert. Wir üben es in Golf, aber profitieren sicherlich auch in anderen Bereichen.

3. Lektion: Wir sind voneinader abhängig

Jeder kennt in seinem Golfclub jemanden, der dafür bekannt ist, keine Divots zurückzulegen. Die Frage, ob er sich wohl in anderen Bereichen seines Lebens ähnlich verhält, ist meiner Meinung nach leicht mit ‚ja‘ zu beantworten. Divots zu schlagen und den Platz somit zu beschädigen ist ein fester Bestandteil des Spiels. Interessanterweise haben Anfänger stets Angst davor, den Rasen zu beschädigen.

Damit das Spiel fortgesetzt werden kann, müssen wir unsere Zerstörung wieder reparieren. Es gäbe irgendwann kein Golf mehr, wenn niemand den Schaden reparieren würde. Wir sind voneinander abhängig, damit unser tolles Spiel fortgesetzt werden kann. So gesehen sind wir nicht viele versschiedene Golfer, sondern alle „EIN GOLFER“.

Der Vergleich zwischen dem Golfplatz under Natur ist sehr naheliegend. Auch hier sind wir „EINS“ und sollten „unsere Divots wieder zurücklegen“.

4. Lektion: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

Wer kennt es nicht? Nach Beendigung eines Jugendturniers geht mindestens ein Erwachsener in das Sekretariat und beschwert sich über das Verhalten der Kinder. Er hatte eine Startzeit nach dem Jugendturnier und sah ein nicht zurückgelegtes Divot nach dem anderen. Natürlich geht diese Person schon mit dem Filter „Kinder können sich nicht benehmen“ oder „Kinder gehören nicht auf den Golfplatz“ auf die Runde. Dadurch sieht er all die Divots, die er sonst nicht sehen würde und erkennt nicht, dass es objektiv betrachtet nahezu diesselbe Anzahl an nicht zurückgelegter Divots ist wie beim Herrentag. Wahrscheinlich hat er auch schon den ein oder anderen Fehler gemacht, der anderen Schaden zugefügt hat. Wenn nicht auf dem Golfplatz, dann bestimmt abseits vom Platz.

Wir müssen uns unserer Vorbildfunktion bewusster werden. Dies gilt besonders für gute Spieler, Eltern und Trainer. Kinder beobachten ständig unser Verhalten und schauen sich so einiges ab.

Interessanterweise dauert es unterschiedlich lang, bis Kinder verstehen, dass sie die Divots zurücksetzen müssen. Manche Kinder machen es auch nur, wenn sie beobachtet werden. Manche von uns Erwachsenen natürlich auch. Woran liegt das? Unsere Filter bestimmen unser Verhalten. Der Filter „Ich prüfe gewissenhaft die Auswirkung meiner Aktionen auf andere“ ist deutlich effektiver als „Du darfst alles machen – lass Dich nur nicht erwischen“ für das Einhalten von Etikette.

Abschließend ein interessantes Video zum Thema „Filter“. Biologe Dr. Bruce Lipton erklärt, wo unsere Filter herkommen. (Deutscher Untertitel ist vorhanden)

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