Eine von Corona geprägte Saison neigt sich langsam dem Ende entgegen. In diesen Wochen finden die größten Highlights der Saison statt. Je nach dem auf welchem Level man sich befindet, sind dies Clubmeisterschaften, Deutsche Meisterschaften oder gar Europa Meisterschaften. Aber unabhängig davon, was für einen das Saison Highlight ist, haben diese Highlights eine Sache gemeinsam: sie sind besondere Ereignisse, die bei uns Stress auslösen können. Wichtig ist, dass wir mit diesem Stress gut umgehen können. Wir ihr das besser machen könnt, möchte ich euch im folgenden zeigen.

Wie entsteht Stress?

Wir werden ständig mit verschiedenen Situationen konfrontiert. Unwillkürlich kommt es zu einer Bewertung der Situation. Diese Bewertung erfolgt in 3 Kategorien:

  1. Positiv (kein Problem für uns)
  2. Gefährlich (herausfordernd oder bedrohlich)
  3. Irrelevant

Kommen wir zu den Bewertungen 1 oder 3 bei dieser Situation, löst es keinen Stress bei uns aus. Kommen wir allerdings zur Bewertung Nummer 2, löst dies Stress bei uns aus. Wir merken das an Dingen wie einem erhöhten Puls, verengter Wahrnehmung, feuchten Handflächen oder ähnlichem. Man unterscheidet dabei noch zwischen Eustress (positiver Stress) und Distress (negativer Stress). Wenn wir ein Ereignis als gefährlich bewerten, dann müssen wir in einem nächsten Schritt klären, ob es auf uns als eine Herausforderung oder eine Bedrohung wirkt. Wenn wir es als Herausforderung wahrnehmen, hat es eine positive Wirkung auf uns. Sollten wir es aber als Bedrohung wahrnehmen, dann hat es eine negative Wirkung auf uns. (Wer sich damit intensiver beschäftigen möchte, dem sei das Stressmodel von Lazarus empfohlen.)

In welcher Weise sich der Stress auf uns auswirkt bzw. wie wir damit umgehen ist eine Frage des Blickwinkels. Dabei ist die Unterscheidung wichtig, ob es sich um eine Herausforderung oder ein Bedrohung handelt. In diesem Zusammenhang müssen wir den Blickwinkel auf zwei unterschiedliche Dinge unterscheiden:

  1. Der Blick auf das Ereignis selbst
  2. Der Blick auf die Stressreaktion an sich

Der Blickwinkel auf das Ereignis selbst

Beginnen wir mit dem Ereignis an sich. Ob wir das Ereignis als Herausforderung oder Bedrohung betrachten, hängt stark von unseren Vorerfahrungen ab. Aber auch unsere Einstellung, also unser Blickwinkel auf die Dinge, spielt eine wichtige Rolle dabei. Betrachten wir eine Situation außerhalb unserer Komfortzone als finalen Gradmesser unserer Fähigkeiten und bewerten ein eventuelles Versagen als endgültig, dann werden diese Situationen ganz schnell zu einer Bedrohung. Wenn wir Situationen außerhalb unserer Komfortzone als Lern- und Wachstumsmöglichkeit betrachten, die uns unser Lernpotenzial zeigen und ein weiterer Baustein in unserem Entwicklungsprozess sind, dann wirken Dinge eher als Herausforderung. Um eine solche positive Einstellung zu haben, bedarf es eines dynamisches Selbstbildes. (Was ein dynamisches Selbstbild ist und wie man es vermitteln kann, findet ihr in unserem Artikel bei unserem Partner Golf Magazin https://fairwaykids.de/wp-content/uploads/2020/02/Fairwaykids-03.pdf).

Der Blickwinkel auf die Stress-Reaktion

Der zweite spannende Blickwinkel ist der auf die Stressreaktion an sich. Wir hören häufig, dass Stressreaktionen für uns nicht gut sind und das wir sie möglichst vermeiden sollten. Das wird sich aber leider nicht immer einrichten lassen, besonders im Sport und den heutigen modernen Zeiten nicht. Wenn wir dann immer im Kopf haben, dass der Stress nicht gut für uns ist, belastet uns das nur noch zusätzlich. Daher hat die Gesundheitspsychologin Kelly McGonigal einen spannenden Ansatz zur Betrachtung von Stress entwickelt. Wir sollten die Stressreaktion nicht als schädlich für uns wahrnehmen, sondern als erhöhte Alarmbereitschaft des Körpers und des Geistes betrachten. Durch diese Alarmbereitschaft erhalten wir zusätzliche Ressourcen und eine Steigerung der Leistungsfähigkeit unseres Körpers. Dies dient dazu, die Situation, der wir uns gegenüber sehen, besser lösen zu können. Wenn wir die Stressreaktion auf diese Art und Weise willkommen heißen, dann wird es zu keiner zusätzlichen Belastung für uns, sondern zu einer weiteren Ressource für unsere Problemlösung.

Um diese Hilfestellungen einmal für den Golfsport aufzuzeigen, hier ein paar Beispiele:

  • Die zusätzlich freigesetzte Kraftreserve kann dabei helfen, den Drive am letzten Par 5 noch etwas länger zu schlagen, damit wir dieses einfacher mit 2 Schlägen erreichen können.
  • Oder wir können dadurch 1-2 Eisen weniger ins Grün auf eine versteckte Fahne spielen, was das stoppen des Balls um ein vielfaches einfacher macht.
  • Eine weitere Stressreaktion wäre die Einengung unsere Wahrnehmung. Das können wir als zusätzliche Hilfestellung nutzen, Störfaktoren in unserer Umgebung auszublenden.

Und so lassen sich noch viele weitere Möglichkeiten finden, wie uns die Stressreaktion beim Spiel helfen kann. Selbstverständlich müssen wir lernen damit umzugehen und zwischendurch brauchen wir auch ruhige Momente, um unsere Reserven wieder aufladen zu können. Aber dennoch ist ist eine gute Option, die Stressreaktion im Spiel als mögliche zusätzliche Ressource zu betrachten, damit sie uns helfen kann und uns nicht noch weiter belastet und stresst.

Fazit

Wenn wir die Offenheit haben, Situationen außerhalb unserer Komfortzone  als positive Herausforderung zu betrachten, dann können wir eine positive Stressreaktion hervorrufen. Und wenn wir dann noch in der Lage sind, diese Stressreaktion als zusätzliche Ressource zur Problemlösung zu betrachten, dann haben wir eine gute Möglichkeit geschaffen, mit dem Stress umzugehen. Natürlich sollten wir auch ein paar klassische Hilfsmittel zur Stressbewältigung haben, aber grundsätzlich sollten wir den Stress nicht von vorne herein verteufeln, sondern ihn als akzeptable Hilfestellung betrachten, da wir ihn eh nicht immer werden vermeiden können.

Zusätzliche Informationen

Wer sich noch intensiver mit dem Thema Stress beschäftigen möchte, dem sei Kelly McGonigal empfohlen. Ihr Buch „Glücksfaktor Stress“ hat ein paar interessante Ansätze zu dem Thema zu bieten. Im folgenden ihr TED-Talk zu dem Thema:

Und hier noch die Erklärung zum Stressmodel von Lazarus:

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