Betrachtet man die letzten Jahre in der Golfwelt, so sieht man dort einen riesigen Wandel der vollzogen wird. Und das ganze hat ein großes Ziel, nämlich dass sich der Golfsport für neue Zielgruppen öffnet. Was das für den Golfsport und die Golfclubs bedeutet, möchte ich heute einmal aus meiner ganz persönlichen Sicht reflektieren.

Struktureller Wandel

Aus struktureller Sicht kam 2019 die größte Regelreform seit mindestens 100 Jahren. Und aktuell wird weltweit das World Handicap System eingeführt. Beide Reformen dienen dazu, das Golfsystem weltweit einheitlich und leichter verständlich zu machen. Das ist aus meiner ganz persönlichen Sicht auch sehr gut gelungen. Zumindest wenn man es aus dem Blickwinkel von Neugolfern betrachtet, die zum ersten mal mit diesem Sport konfrontiert werden.  Für uns „alten Hasen“, die diesen Sport schon seit vielen Jahren betreiben, ist es recht kompliziert umzudenken. Aber das bringt ein Wandel halt immer mit sich.

Golf wird immer mehr zum „richtigen Sport“

Seitdem Tiger Woods 1996 die professionelle Golfwelt betreten hat, bekommt Athletik einen immer höheren Stellenwert. Das Bild von alten übergewichtigen Golfprofis in Karo-Hosen wird seitdem immer mehr durch das Bild von durchtrainierten Spitzenathleten ersetzt. Und jetzt ist die Generation auf der PGA Tour an der Reihe, die mit Tiger aufgewachsen ist. Da sind quasi alle voll durchtrainiert. Seit der aktuellen Transformation von Bryson DeChambeau zum Muskelpaket, der die Plätze komplett überpowert, wird Schlägerkopf- und Ballgeschwindigkeit zu einem immer größeren Faktor. Und dafür muss man ein richtiger Athlet sein. Deshalb gibt es auch immer Fitnesstrainer wie z.B. Robin Horvath, die sich auf Golf spezialisieren.

Bryson DeChambeau`s Power-Drives

Natürlich, und das ist das Tolle an diesem Sport, kann die breite Masse  von Freizeitgolfern so weiter spielen wie bisher. Aber durch diesen Wandel werden immer mehr Athleten zum Golfsport gelockt, die auch in anderen Sportarten sehr erfolgreich sein könnten. Die spielen dieses Spiel und die Plätze ganz anders, als die breite Masse. Das ist eine mehr als positive Entwicklung für den Leistungsbereich und den Golf-Sport an sich.

Golfer sind cool

Dadurch das Golfer immer mehr zu den oben beschriebenen Athleten werden, haben sie einen riesigen Vorbildcharakter für die junge Generation. Selbst wenn man kein Golfer, sondern nur Sportbegeistert an sich ist, kann man sich diese Athleten als Vorbilder nehmen. Dadurch zieht es diese Zielgruppe auch immer mehr zum Golf, weil ihre Vorbilder diesen Sport auch spielen.

Beispiel für ein Social Media Star, der trotzdem mehr Wert auf den Sport legt

Aber es ist nicht nur dieses Athlet sein an sich, sondern immer mehr Golfprofis und vor allem auch die Proetten werden zu Influencern auf Youtube, Instagram und anderen Kanälen. Und das nicht nur im Bereich Golf, sondern auch bei Themen wie Fitness, gesunder Lebensstil und Mode. Dazu kommt noch das moderne auftreten der neuen Generation: Tyrell Hatton gewinnt im Hoodie auf der European Tour und der Leaderflight bei der USOpen steht mit Handy in der Hand und Kopfhörer im Ohr am letzten Tag auf dem Abschlag und warten auf ihre Teetime. Sie sind einfach cool aus Sicht der jungen Generation.

Quelle: http://www.golfchannel.com

Es sind aber letztendlich nicht nur die Profis der Touren die cool sind, sondern auch die Longdriver, Trickshotspieler und sonstige Spieler, die auf social Media Kanälen zeigen, was man so alles cooles auf dem Golfplatz, also in draußen in der Natur, machen kann.

Die große Chance, die dadurch entsteht

Das oben Aufgezeigte sorgt momentan dafür , dass sich mehr Jugendliche und junge Erwachsene als jemals zuvor für den Golfsport interessieren. Golf ist nämlich Cool und in Corona-Zeiten ein Sport, den man relativ problemlos an der frischen Luft kontaktlos betreiben kann. Daher besteht momentan die große Chance, genau diese Zielgruppe an den Golfsport zu binden. Und das ist für die Zukunft des Golfsports ein extrem wichtiger Faktor, denn ohne die junge Generation gibt es keine Zukunft, zumindest nicht in dem Maß, wie wir es jetzt kennen. Also müssen wir diese große Chance jetzt nutzen.

Eine kleine Handlungsempfehlung zum Schluss

Damit es gelingen kann, diese Zielgruppe an unsere Golfclubs zu binden, müssen sich in vielen Clubs einige Dinge ändern. Wir müssen unser Jugendtraining so gestalten, dass die Jugendlichen genau diese Coolen Elemente dort wiederfinden. Es muss viel Athletik und Spaß dabei sein, coole Outfits müssen okay sein, Musik beim Training ist in Ordnung und Bilder und Videos für social Media machen zu dürfen, sollte normal sein.

Und auch die jungen Erwachsenen, die vielleicht schon etwas zu alt für Jugendtraining sind, müssen schnell in eine Gruppe gleichaltriger und gleichgesinnter integriert werden. Dafür bietet sich ein Mentorenprogramm an. Das sind einige Mitglieder aus der jungen Generation, die die neuen an die Hand nehmen und sie in den Kreis der jungen Generation einführen. Dafür muss die Kommunikation zwischen Pro, Club und Mentoren gut funktionieren. 

Um eine Aussicht auf Erfolg dabei zu haben, ist eine Menge Arbeit von allen Seiten nötig. Man wird auch jede Menge Diskussionen führen müssen. Denn im Golf gibt es noch viele sogenannte Traditionalisten, die meinen, alles müsste so bleiben wie vor 50 Jahren war. Und dies wird auch gerne lautstark kundgetan. Aber ich persönlich bin der Meinung, dass die Chance die wir jetzt haben, diesen Einsatz und diese Mühe wert ist. Und ich hoffe, dass das ganz viele andere genau so sehen und sich diese Mühe machen. All diese Influencer und Pros machen eine großartige Arbeit und liefern uns genau die Vorlage, die wir brauchen. Wenn es uns gelingt, diese Vorlage vernünftig aufzugreifen, dann können wir ganz viele neue junge Menschen nachhaltig für diesen wundervollen Sport begeistern und die Zukunft dieses Sports sichern. Ich denke, dass sollte den Einsatz und die Energie von jedem für dieses Projekt wert sein. Also packen wir es an und treiben den Wandel weiter voran.

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